6. Juli 2026
In eigener Sache

(Bild KI-generiert)
Betreff: Leserbrief zum Artikel „Wadersloh droht Millionenverlust“
Mit großem Erstaunen haben wir den Bericht über die Kostenschätzung von Bürgermeister Christian Thegelkamp zum Windkraft-Bürgerbegehren gelesen. Dass die Debatte fast ausschließlich auf die wirtschaftliche Karte und den drohenden Verlust von 2,34 Millionen Euro reduziert wird, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Schaut man auf die jüngere Geschichte der Gemeinde, wirkt diese Argumentation reichlich widersprüchlich.
Erinnern wir uns an das Jahr 2018: Damals errichtete die Gemeinde unter erheblichem finanziellem Kraftakt ein eigenes Windrad über eine GmbH. Obwohl Wadersloh zu dieser Zeit laut Aussage des Bürgermeisters kurz vor der Haushaltssicherung stand und im Protokoll explizit festgehalten wurde, dass das Projekt die finanzielle Wirtschaftlichkeit der Kommune verbessern soll, traf man eine denkwürdige Entscheidung: Das Grundstück wurde an die Bürgerstiftung übertragen. Damit wanderten jährliche Pachteinnahmen von rund 45.000 Euro am Gemeindehaushalt vorbei direkt in die Stiftung. Hochgerechnet auf die Laufzeit von 20 oder mehr Jahren fehlt der Gemeinde hier ebenfalls eine Summe im siebenstelligen Bereich.
Natürlich ist die Unterstützung sozialer Projekte durch die Bürgerstiftung eine gute Sache. Das Problem liegt jedoch in der Systematik: Wenn sichere Millionenerträge aus dem Gemeindehaushalt ausgelagert werden, entsteht dort ein Loch, das die Gemeinde schlussendlich über Abgaben und kommunale Steuern wieder von den Bürgern eintreiben muss. Ein besonders seltsames Licht wirft dabei das im Jahr 2025 gefeierte 50-jährige Gemeindejubiläum auf die Sache: Hier überwies die Stiftung einen Zuschuss von 40.000 Euro an die Gemeinde zurück. Es hinterlässt einen faden Beigeschmack, wenn Geld erst aus der Gemeindekasse in die Stiftung umgeleitet wird, um es dann medienwirksam für Feierlichkeiten zurückzugeben – insbesondere, da der Bürgermeister in Personalunion auch der Stiftungsratsvorsitzende dieser Bürgerstiftung ist.
Dass die finanzielle Notwendigkeit der neuen Anlagen nun so dramatisiert wird, passt weder zum tatsächlichen Sparwillen der Gemeinde noch zur rechtlichen Realität. Vor Jahren stellten wir, die Initiative ZIN 19, den Antrag, die kostenintensiven Blumenampeln abzuschaffen. Allein hierdurch ließen sich jährlich schätzungsweise 45.000 bis 50.000 Euro einsparen – was auf 20 Jahre hochgerechnet ebenfalls eine Million Euro ausmacht. Zudem greift die Argumentation der Gemeinde vor und schafft vollendete Tatsachen: Wie die Bürgerinitiative in ihren fundierten Einwänden völlig zu Recht bemängelt, ist das geplante Areal im aktuellen Flächennutzungsplan noch nicht einmal als entsprechendes Windkraftgebiet ausgewiesen. Es wird ein enormer wirtschaftlicher Druck aufgebaut, obwohl die rechtlichen und planerischen Grundlagen gar nicht gegeben sind.
Es ist eine beachtliche argumentative Kehrtwende: Wer damals sichere Einnahmen in Millionenhöhe an die Bürgerstiftung übertragen hat, Einsparpotenziale bei freiwilligen Ausgaben ignoriert und nun ohne gültige Flächenausweisung Druck macht, kann nicht glaubwürdig mit dem drohenden Finanzkollaps argumentieren, um die neuen Windräder durchzusetzen. Wer heute vor Millionenverlusten warnt, hätte 2018 die Millionen der Gemeinde nicht entziehen dürfen.
Steen Christensen, Wolfgang Kißler, Alfons Lüke, Paul Plümpe, Erwin Rennekamp, Richard Streffing
Leserbrief zur Debatte um den AfD-Flyer, die Initiative ZIN 19 und die Reaktion des Gemeinderates und des Bürgermeisters
Wenn der Bürgermeister die Kritik der ZIN 19 an den etablierten Parteien als „Faustschlag ins Gesicht“ bezeichnet, lenkt das vom Kernproblem ab.
Der aktuelle Flyer der AfD („Millionen für Fremde“) ist unerträglich und brandgefährlich. Die Bürgerinitiative ZIN19 hingegen ist keine Gefahr für die Demokratie. Sie mag mit ihren Fragen unbequem, hartnäckig und manchmal lästig sein – doch genau das gehört zu einer lebendigen Demokratie. Wer politische Verantwortung trägt, muss deshalb auch kritische Stimmen aushalten.
Doch einfacher Populismus verfängt vor allem dort, wo das Vertrauen in die Politik und Verwaltung zuvor beschädigt wurde.
Genau das ist in Wadersloh geschehen, Beispiel: Bei der Einführung der Mülltonne wurde der Antrag eines Bürgers von der Verwaltung und Politik über Jahre hinweg blockiert. Es wurde rechtswidrig gehandelt, um Bürgerrechte auszuhebeln – bis das Ministerium einschreiten und die Gemeinde zum Einlenken zwingen musste.
Wer so mit dem Recht und den Bürgern umgeht, schafft selbst den Frust, den die AfD jetzt für ihre Stimmungsmache ausnutzt. Nicht die offene Kritik an diesen Missständen gefährdet die Demokratie, sondern ein Umgang mit Bürgern, der den Glauben an Fairness, Transparenz und rechtsstaatliches Handeln vor Ort untergräbt.
Steen Christensen, Wolfgang Kißler, Alfons Lüke, Erwin Rennekamp, Paul Plümpe, Richard Streffing




